Weniger ist mehr (Teil 1 von 3): Gewichtsreduktion beim Material

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Im Sport geht es in der Regel um „höher, schneller, weiter“. Aber tatsächlich ist weniger oft mehr. Heute und in den nächsten beiden Newsletterausgaben möchten wir uns bewusst mit dem Thema „weniger“ beschäftigen: in Teil eins mit der Gewichtsreduktion beim Material, in Teil zwei mit dem Thema „Pause und Regeneration“ und in Teil drei mit der Gewichtsreduktion beim Fahrer. Starten wir mit dem Material – was bei den meisten Lesern unseres Newsletters ein Fahrrad ist. Jedem von uns ist wohl klar, dass ein leichtes Bike im Rennen und auf langen Touren Vorteile bietet – vor allem bei langen Anstiegen spürst du jedes Gramm. Daher widmen wir uns hier der Frage, wie du dein Bike leichter machen kannst und inwieweit das Sinn macht. 

Ein Profisportler mit umfassendem Sponsorenvertrag, der sein Material gestellt bekommt, kann in puncto Leichtbau aus dem Vollen schöpfen. Nicht so „Otto Normalverbraucher“, zu denen die meisten von uns gehören. Wir müssen eine sinnvolle Balance finden zwischen den Faktoren Gewicht, Preis und Haltbarkeit. Die Teile unserer Partner, mit denen wir zumeist schon über viele Jahre hinweg beste Erfahrungen gemacht haben, sind durchweg von hoher Qualität. Einige von ihnen gehören auch zu den leichtesten auf dem Markt – so die Piccola von Trickstuff, die aktuell immer noch die weltweit leichteste Bremse ist. Auch der Tune-Flaschenhalter, den wir standardmäßig an unseren Bikes verbauen, gehört zu den leichtesten, die du bekommen kannst. Bei den anderen Teilen liegen unsere Bikes gewichtsmäßig nicht an erster Stelle, aber doch sehr weit vorne.

Fährst du bisher noch ein Bike mit vielen Teilen aus Stahl oder  Aluminium, so kannst du dir Gedanken machen über Carbon. Vor allem ein Carbonrahmen bringt natürlich einen erheblichen Gewichtsvorteil. So ist unser toMotion Racing Teambike standardmäßig mit einem Specter 9 Carbonrahmen von der Firma Müsing ausgestattet. Der Preisunterschied von einem Alu- zu einem Carbonrahmen liegt durchaus bei mehreren hundert Euro. Dafür bietet dir der Carbonrahmen einen Gewichtsvorteil von rund einem Kilogramm sowie eine höhere Steifigkeit. Weitere Carbonteile, in die du investieren kannst, sind beispielsweise Vorbau und Lenker, Sattelstütze und Sattel sowie die Laufräder. Diese Teile sind leichter als Aluteile, jedoch natürlich auch teurer.

  

Bei den Laufrädern lohnt sich ein genauerer Blick. Denn hier zählt nicht nur das Nettogewicht, sondern auch die rotierende Masse (auch Trägheitsmoment genannt). So liegen die Syntace-Felgen unserer Teambikes vom Gesamtgewicht her im vorderen Mittelfeld. Sie bieten jedoch den Vorteil, dass ihr Gewicht eher auf der Nabe liegt. Die Felgen hingegen sind besonders leicht, so dass sie weniger rotierende Masse  aufweisen. Was bedeutet das für dich? Eine kurze Erklärung zum Trägheitsmoment: es gibt an, wie schwierig oder leicht es ist, einen Körper – in diesem Fall ein Rad – anzudrehen oder abzubremsen. Anders ausgedrückt: wie stark musst du in die Pedale treten, um das Rad zu beschleunigen? Das Trägheitsmoment eines rotierenden Körpers hängt von seiner Massenverteilung ab. Sitzt das Gewicht weiter außen, vergrößert sich das Trägheitsmoment. Sitzt das Gewicht weiter innen, verringert es sich. Generell ist ein kleineres Trägheitsmoment erstrebenswert, wenn man beschleunigen möchte. Ein hohes Trägheitsmoment ist aber auch nicht zwangsläufig verkehrt, es hilft zum Beispiel Schwung zu behalten oder sich nicht aus der Spur werfen zu lassen. Da bei den Syntace-Laufrädern das Gewicht eher innen sitzt, weisen sie eine geringere rotierende Masse auf als Laufräder mit einer anderen Gewichtsverteilung, was dir den Antritt erleichtert.

  

Einen weiteren Gewichtsvorteil bringen Tubeless-Reifen. Da du keinen Schlauch brauchst, ist das Gesamtgewicht geringer als bei Schlauchreifen, zusätzlich verfügen Tubeless-Reifen über ein besseres Rollverhalten, mehr Grip und außerdem sind sie resistenter gegen Durchschläge. Über den Blickwinkel rotierende Masse (die Reifen sitzen bekanntermaßen ganz außen am Laufrad) spürst du eine Gewichtseinsparung durch Tubeless-Reifen deutlicher als wenn du Gewicht bei anderen Teilen einsparst.

Zurück zur Piccola-Bremse: die Vorzeigebremse der Firma Trickstuff, die mit 158 Gramm derzeit die leichteste Bremse auf dem Weltmarkt ist und vom Hersteller für den XC-Bereich, jedoch auch für den Trail- und Enduro-Einsatz empfohlen wird, wird von uns standardmäßig an unserem Teambike verbaut. Ein Test, den das Forum Mountainbike News (www.mtb-news.de) im August 2016 durchführte, gibt dieser Bremse Bestnoten: „Alles in allem waren wir von der leichten Piccola schon in der Vorserie begeistert: das geringe Gewicht tut der Leistung nichts ab, die Bremse kann mit den großen Namen im Endurobereich mithalten und einige davon sogar übertrumpfen. Unser Tester bescheinigte ihr mindestens die gleiche Bremsleistung der Guide RSC mit 200/180er Scheiben, die sonst an seinem Rad montiert ist. Wer nicht auf der Suche nach einem knallharten Druckpunkt im Shimano-Stil ist, findet mit der Piccola eine starke und standfeste Bremse, die allerdings auch den Geldbeutel um ein gutes Stück erleichtert.“ Wir sind der Meinung, dass sich diese Investition lohnt, weil diese Bremse eigentlich nur Vorteile bietet.

  

Noch ein Wort zum Thema Sattel: es gibt Sattelmodelle, die nur 80 Gramm wiegen. Sie sind jedoch recht teuer und außerdem sollte man auf seinem Sattel ja vor allem auch gut sitzen – was bei ultra-leichten Sätteln nicht immer der Fall ist. Da lohnt sich das eine oder andere Gramm, wenn du – vor allem auf Langstrecken – dafür keine Probleme mit deinem Gesäß bekommst. Zum Vergleich: der SQlab 611 Ergowave TiTube Sattel des toMotion-Racing-Teambikes in der Version Start wiegt rund 270 Gramm, bei demselben Sattel in der Carbon-Ausführung bei der Version Pro des Teambikes sind es 150 Gramm – und diese Sättel sind ergonomisch genau auf dich und deinen Sitzbeinhöckerabstand abgestimmt.

  

Natürlich kannst du auch an noch bei anderen Teilen Gewicht sparen: so gibt es z.B. auch bei Antrieben und Federgabeln signifikante Gewichtsunterschiede. Es lohnt sich, wenn du dich informierst.

Fassen wir zusammen: ein Mountainbike mit Alu-Rahmen, das unter EUR 1000,- kostet, bringt in der Regel ein Gewicht zwischen 14 und 15 Kilogramm auf die Waage. Zunächst bieten sich dafür natürlich schrittweise Tuning-Maßnahmen an, mit denen du dein Rad leichter machen kannst. Mach dir dann einfach mal Gedanken darüber, welche Teile du ersetzen kannst und möchtest und informiere dich darüber, was dir der Markt in dieser Hinsicht bietet. Leichter und schneller geht es natürlich mit einem fertigen Bike. Die Start-Version des toMotion-Teambikes mit einem Carbonrahmen von Müsing und weiteren leichten Teilen zum Beispiel wiegt weniger als 10 Kilogramm. Dafür musst du aber auch knapp EUR 5000,- hinlegen. Eine Investition, die sich lohnt, wenn du gerne Rennen fährst oder auf deinem Mountainbike regelmäßig lange Strecken zurücklegst. Dann wirst du über viele Jahre hinweg auch viel Freude an deinem Sportgerät haben.

  

  

In Teil 2 unseres Beitrags werden wir das Thema „Weniger ist mehr“ aus einem anderen Blickwinkel betrachten: dem Trainingsaufwand. Gerade im Herbst bietet es sich an, eine Trainingspause einzulegen und dem Körper bewusst Zeit zu geben für eine ausführliche Regeneration. Im nächsten toMotion-Newsletter beschäftigen wir uns mit der Frage, wie du deine Saisonpause sinnvoll gestalten kannst und welche Vorteile dir eine grundlegende Regeneration bietet. In Teil drei (Newsletter 10-2018) werden wir uns dann noch dem Thema „Gewichtsreduktion beim Fahrer“ zuwenden.